Sind die Start-ups in Gefahr?

Weshalb wir die rein fremdfinanzierten Start-up-Gründungen kritisch sehen und warum die Corona-Krise den Markt bereinigen wird.

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Ich will mit Ihnen heute meine Gedanken teilen zu der Fragestellung „Sind die Start-ups aktuell in Gefahr?“ und will mit Ihnen unsere Erfahrungen aus Wirtschaftskrisen diesbezüglich teilen.

Die erste Wirtschaftskrise ist für ein Unternehmen sicher immer die einprägsamste Erfahrung dieser Art. Bei uns war das 2008/2009 die Finanzkrise, wo wir zwar im Vorfeld immer auch mit einem wirtschaftlichen Abschwung gerechnet hatten, wo wir aber nicht in diesem Ausmaß uns haben vorstellen können, was es bedeutet, wenn gerade unsere Zielkunden aus den Mobilitätsbranchen in einen solch dramatischen Abschwung geraten.

Wir hatten seit Anbeginn unserer Unternehmensgründung immer darauf Wert gelegt,  möglichst wenig Fremdkapital im Unternehmen zu haben,  um so auch in wirtschaftlich kritischen Zeiten möglichst unabhängig agieren und entscheiden zu können. Und sei die die Schließung des Unternehmens.

Im Jahr 2009, Januar oder Februar wird es gewesen sein, waren wir dennoch bei unserer Hausbank und fragten nach einer Erhöhung der Kreditlinie an. Die Bank erzählte uns viele Dinge über Sicherheiten und weiteres, dass wir zwar nicht verschuldet seinen – wir hatten damals überhaupt kein Fremdkapital in unserem Unternehmen – aber dass man eher nicht über die bereits genehmigte Kreditlinie hinaus einen Kredit gewähren wolle. Obwohl wir ein sehr gutes Finanz-Rating hatten und das bis zum heutigen Tage.

Wir haben es auch ohne die Bank geschafft durch ein klares Risikomanagement und so im Vorfeld die richtigen Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt zu treffen.

Ungefähr acht Wochen später meldete sich die Bank erneut bei uns, fragte uns wie es uns ginge und ob wir einmal bei ihr vorbei schauen könnten. Das haben wir natürlich auch gemacht und interessant für uns war, dass dann die Frage genau umgekehrt gestellt wurde und ob wir denn nicht mit unserer Hausbank Finanzgeschäfte über den bisher vereinbarten Rahmen hinaus machen wollten. Nachdem wir dies hinterfragt hatten stellte sich heraus, dass nun die Bank sich in einer recht dramatischen Schieflage befand.

Was lernen wir daraus? Es kann jeden treffen und das relativ schnell.

Wir, und das gehört zu unserer Unternehmensphilosophie, achten darauf, dass wenn wir Fremdkapital im Unternehmen haben, dies zweckgebunden und nur zu einem sehr begrenzten Umfang vorhanden ist. Und dass wir über ausreichend Liquidität im Unternehmen verfügen, so dass wir schwierige Phasen über einen entsprechenden Zeitraum auch überbrücken können.

Eine wesentliche, direkt folgende Frage ist in diesem Zusammenhang auch die notwendige Dauer der Überbrückung von wirtschaftlich kritischen Phasen. Über wie viel Liquidität muss ein Unternehmen verfügen? Wenn man in die Presse schaut hört man unterschiedliche Aussagen und Empfehlungen: Von wenigen Wochen bis drei Monaten.

Das ist eine Entscheidung der UnternehmensführungDoch eines muss klar sein: Eine zu geringe Kapitaldecke wird dazu führen, dass das Unternehmen sehr schnell in eine bedrohliche Schieflage gerät.

Um mit der vorhandenen Liquidität eine möglichst hohe Reichweite zu erzielen, gilt es möglichst wenig Fixkosten und möglichst viele variable Kosten im Unternehmen zu haben, die dann schnell abgestoßen werden können.

Auch alle staatlichen Hilfsprogramme werden nicht dazu führen, dass man Geld geschenkt bekommt. Es werden Zahlungen gestundet, es wird die Möglichkeit einer Kreditaufnahme gegeben. Diese Zahlungen stehen nach dem offiziellen Ende der Krise zum Ausgleich an. Daher kann es durchaus sein, dass man die Krise überlebt, aber aufgrund der Zahlungspflicht direkt nach der Krise genauso in Schieflage gerät.

Das, was aus unserer Sicht viele junge Unternehmen wie Start-ups auch nicht ausreichend beachten, ist einen eigenen Cash-Flow zu generieren (möglichst diversifiziert), um so die Investitionen aus eigener Wirtschaftskraft ein Stück weit zu kompensieren.

Man hört von Start-ups sehr häufig, dass man sich auf die Erarbeitung seines Geschäftsmodells und seiner Produkte und Dienstleistungen konzentriert. Es wäre daher auch in Ordnung, wenn man Verluste erzeugt, da man das notwendige Geld über Finanzierungsrunden beschafft.

Glaubt denn wirklich jemand, dass dies in wirtschaftlich schwierigen Zeiten funktioniert?

Diese Form der Finanzierung erfüllt aus unserer Sicht nicht die Anforderung an eine nachhaltige und verantwortungsvolle Geschäftsführung. Denn eine wertschaffende Geschäftsführung würde immer die Risiken im Blick behalten.

Wir wünschen allen Unternehmen – auch uns – dass wir die aktuelle Wirtschaftskrise erfolgreich meistern und gestärkt aus der Krise hervorgehen. Vielleicht ist zurückblickend ja eine der Erkenntnisse dieser Krise, dass man sehr viel mehr in präventive Instrumente wie Risikomanagement und Projektmanagement investieren sollte und so genau abwägt, welche Risiken man eingeht und welche Sicherheitsvorhalte man verteidigen muss.

Alle anderen Unternehmen dürfen sich sicher über ihre eigene Situation beklagen, tragen dafür jedoch oftmals aber auch selbst die Verantwortung. Zwar konnte niemand mit der Corona-Krise rechnen, mit einer schweren Wirtschaftskrise jedoch sehr wohl.

Passen Sie gut auf sich auf!